Uganda


Uganda
Ugạn|da; -s:
Staat in Afrika.

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Ugạnda,
 
 
 
Fläche: 241 038 km2
 
Einwohner: (2000) 23,3 Mio.
 
Hauptstadt: Kampala
 
Amtssprachen: Englisch, Suaheli
 
 
Währung: 1 Uganda-Schilling (U. Sh.) = 100 Cents
 
Zeitzone: 1400 Kampala = 1200 MEZ
 
amtliche Namen: englisch Republic of Uganda [rɪ'pʌblɪk əv jʊ'gændə], Suaheli Jamhuri ya Uganda, Binnenstaat in Ostafrika, nordwestlich des Victoriasees, grenzt im Norden an Sudan, im Osten an Kenia, im Süden an Tansania und Ruanda, im Westen an die Demokratische Republik Kongo, mit 241 038 km2 (davon rd. 44 000 km2 Gewässer) etwa so groß wie Rumänien, (2000) 23,3 Mio. Einwohner, Hauptstadt ist Kampala, Amtssprachen sind Englisch und Suaheli; Währung: 1 Uganda-Schilling (U. Sh.) = 100 Cents. Uhrzeit: 1400 Kampala = 1200 MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der am 8. 10. 1995 in Kraft getretenen Verfassung ist Uganda eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und oberster Inhaber der Exekutive ist der auf fünf Jahre direkt gewählte Präsident Er ist stärker als bisher der parlamentarischen Kontrolle unterworfen, hat aber weiterhin umfangreiche Befugnisse. Er ernennt den Vizepräsidenten und die Regierung unter Vorsitz des Premierministers sowie Beamte und Richter. Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung (276 Abgeordnete, davon 214 gewählt, 62 ernannt). Da nach der neuen Verfassung Parteien zwar nicht verboten sind, aber politisch nicht aktiv werden dürfen, konnten bei den Parlamentswahlen 1996 nur Einzelpersonen antreten.
 
Parteien:
 
Neben dem National Resistance Movement (NRM, gegründet 1981) spielen u. a. die Democratic Party (DP, gegründet 1954), der Uganda People's Congress (UPC, deutsch Ugandischer Volkskongress, gegründet 1960), die Conservative Party (CP, gegründet 1979) und der Movement for New Democracy in Uganda (gegründet 1994) eine Rolle. Zu den wesentlichen Guerillaorganisationen zählen Lord's Resistance Army (LRA, gegründet 1987) und Uganda People's Freedom Movement (UPFM, gegründet 1994).
 
 
Das Wappen zeigt einen von Antilope und Kronenkranich gehaltenen afrikanischen Schild (hinter diesem zwei gekreuzte Speere); unter dem mehrfach wellengeteilten Schildhaupt in Schwarz eine goldene Sonne; unter dieser eine Trommel, die in Uganda als Ausdruck königlicher Macht galt und heute als Symbol der staatlichen Souveränität betrachtet wird. Schild und Schildhalter stehen auf einer Landschaftsdarstellung (Sinnbild für das Hochland von Uganda und den Nil), den unteren Abschluss bildet ein Schriftband mit dem Wahlspruch »For God and my Country« (»Für Gott und mein Land«).
 
Nationalfeiertage:
 
9. 10., zur Erinnerung an die Erlangung der Unabhängigkeit 1962.
 
 
Die vier Regionen (Nord-, West-, Ost- und Zentralregion) sind in 39 Distrikte untergliedert, diese wiederum in weitere Untergliederungen geteilt.
 
 
Die Rechtsprechung folgt englischem Vorbild. Das Gerichtswesen ist mehrstufig: An der Spitze steht der Oberste Gerichtshof als Rechtsmittelinstanz des Hochgerichts. Auf unterer Ebene sind Amtsgerichte mit in sich gestaffelten Abstufungen errichtet.
 
 
Die Gesamtstärke der Armee beträgt rd. 50 000 Mann (etwa sechs Infanteriebrigaden und mehrere selbstständige Bataillone). Die Ausrüstung entstammt v. a. sowjetischer Produktion, sie umfasst neben jeweils wenigen Panzerfahrzeugen und Patrouillenbooten im Wesentlichen nur leichte Waffen.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Den größten Teil Ugandas nehmen nördlich des Victoriaseebeckens die einförmigen Rumpfflächen des Ostafrikanischen Hochlands ein mit Höhen zwischen 1 000 und 1 200 m über dem Meeresspiegel, denen nur einzelne Inselberge aufgesetzt sind. Der Kiogasee bezeugt mit den anderen Seen seiner Umgebung (ein ertrunkenes Talsystem) die alte, westwärts gerichtete Entwässerung dieses Gebiets; er ist heute Teil des vorwiegend nordwärts fließenden Victorianils, der bei Jinja den Victoriasee verlässt. An die Rumpfflächen schließt sich im Osten die höher gelegene Ostafrikanische Schwelle an, die durch Vulkanberge gekrönt wird (Elgon 4 321 m über dem Meeresspiegel). Den Westen des Landes nimmt die vielgestaltige Zentralafrikanische Schwelle ein. Der in ihre Scheitelregion eingebrochene Zentralafrikanische Graben ist vom Rumpfflächenland durch deutliche Bruchstufen abgesetzt, die im Nordwesten vom Nil in den Kabalegafällen überwunden werden. An der Grabenflanke liegen im äußersten Südwesten des Landes die Virungavulkane (im Muhavura 4 127 m über dem Meeresspiegel). Zwischen Albertsee und Rutanzigesee erhebt sich auf der Grabensohle die kristalline Scholle des Ruwenzori (im Margherita Peak 5 119 m über dem Meeresspiegel) mit dem Ruwenzori-Nationalpark (UNESCO-Weltnaturerbe).
 
 
Der größte Teil des Landes erhält ganzjährig Niederschläge (1 000-1 500 mm) mit stärker ausgeprägten Regenzeiten etwa von März bis Mai und von September bis November. Die höchsten Niederschlagsmengen (bis 2 100 mm) fallen an den Luvseiten der höheren Gebirge und auf den Inseln im Victoriasee. Der Zentralafrikanische Graben, im Regenschatten, empfängt nur etwa 750 mm. Das trockenste Gebiet mit Jahresniederschlägen unter 500 mm liegt im Nordosten (Karamoja). Insgesamt sind die tropischen Temperaturen durch die Höhenlage gemäßigt.
 
 
Die natürliche Vegetation wird durchweg von Breitlaubgehölzfluren (Übergang von der Feucht- zur Trockensavanne) beherrscht. In den Gebirgen finden sich Berg-, Bambus- und Heidekrautwälder sowie subnivale Grasfluren. Der Nationalpark von Bwindi (320 km2; UNESCO-Weltnaturerbe) weist eine Vielfalt an Baumarten und Farngewächsen, seltene Vogel- und Schmetterlingsarten sowie Berggorillas auf.
 
 
Die Bevölkerung besteht aus über 40 ethnischen Gruppen. Über die Hälfte der Bevölkerung sind Bantu, die besonders das Gebiet südlich des Kiogasees bewohnen; größte Gruppen sind die Ganda (18 % der Einwohner), Nkole (Banyankore, 8 %), Soga (Basoga, 8 %). Im mittleren Norden leben Niloten (15 %, besonders Lango und Acholi), im Nordosten Hamito-Niloten, besonders Teso (8 %) und Karamojong. Die im 16. Jahrhundert eingewanderten Hima leben besonders in Ankole. Die nichtafrikanische Bevölkerung wurde 1972 durch die Ausweisung von rd. 50 000 Asiaten stark reduziert; von diesen kehren seit Ende der 80er-Jahre v. a. Inder, die eine große Rolle in der Wirtschaft spielen, zurück. Der Anteil der Europäer ist in Uganda gering.
 
Die Bevölkerungsdichte ist in einigen Gebieten des Südwestens, Südostens und am Elgon sehr hoch (bis über 400 Einwohner je km2); der Norden und besonders der Nordosten sind menschenarm. Von der städtischen Bevölkerung (1995: insgesamt 12 %) lebt mehr als ein Drittel im Einzugsbereich der Hauptstadt. Das jährliche Bevölkerungswachstum ist mit 3 % (1985-95) recht hoch. 1997 lebten in Uganda etwa 250 000 Flüchtlinge aus dem Sudan, aus Somalia, Ruanda und Burundi.
 
 
Es besteht Religionsfreiheit. Alle Religionsgemeinschaften sind rechtlich gleichgestellt. Über 67 % der Bevölkerung gehören christlicher Kirchen an: davon rd. 43 % der katholischen (Erzbistum Kampala mit achtzehn Suffraganbistümern), über 20 % der anglikanischen Kirche der Provinz Uganda, rd. 3 % protestantischen Kirchen (besonders Pfingstler, Adventisten, Baptisten), rd. 1 % unabhängigen Kirchen; die wenigen orthodoxen Christen gehören zum griechisch-orthodoxen Erzbistum von Ostafrika. Die etwa 8 % Muslime sind überwiegend Sunniten und besonders unter den Soga und Madi vertreten. Eine weitere religiöse Minderheit bilden die über 2 % Bahais. Traditionellen afrikanischen Religionen werden etwa 20 % der Bevölkerung zugerechnet.
 
 
Die Einrichtungen werden von staatlichen und privaten Institutionen (v. a. Missionsschulen) getragen. Eine allgemeine Schulpflicht besteht noch nicht. Nach britischem Vorbild schließt sich an die siebenjährige Grundschule (6.-12. Lebensjahr) die vierjährige Sekundarstufe I oder eine dreijährige berufsbildende Schule an. Nach der Sekundarstufe I folgen die zweijährige Sekundarstufe II beziehungsweise lehrerbildende Colleges und Fachschulen. Die Analphabetenquote beträgt 36 %. Uganda besitzt eine Universität (1922 als Technikum gegründet, seit 1970 Universität) in Kampala und eine naturwissenschaftlich-technische Universität (gegründet 1989) in Mbarara.
 
 
Das Pressewesen konzentriert sich auf Kampala. Es erscheinen 15 meist englischsprachige Zeitungen, darunter die Tageszeitungen »New Vision« (Regierungsorgan; Auflage 40 000), »The Monitor« (30 000), »Taifa Uganda Empya« (24 000), »Citizen« (Organ der DP) sowie die Wochenzeitung »Guide« (30 000). Nachrichtenagentur ist die staatliche »Uganda News Agency« (UNA). Neben den staatlich kontrollierten Rundfunkanstalten »Radio Uganda« (Hörfunkprogramme in 24 Sprachen) und »Uganda Television Service« (kommerziell betrieben, Ausstrahlung in einem Radius von 320 km um Kampala) gibt es die unabhängigen Hörfunkstationen »91,3 Capital FM« und »Sanyu Radio« sowie die Fernsehstation »Sanyu Television«.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Die Landwirtschaft, v. a. der Kaffeeanbau, ist der dominierende Wirtschaftszweig. Seit 1987 konnte die ugandische Regierung durch eine Diversifizierung des Agrarsektors die Abhängigkeit vom Kaffee-Export verringern und durch die Privatisierung von Staatsbetrieben günstige Bedingungen für die Gewährung internationaler Entwicklungshilfe schaffen. Gemessen am Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1995) 240 US-$ gehört Uganda zu den ärmsten Ländern Afrikas. Bei einer Auslandsverschuldung von (1995) 3,6 Mrd. US-$ müssen 21 % der Exporterträge für den Schuldendienst aufgewendet werden. Die Inflationsrate lag 1985-95 im Durchschnitt bei jährlich 65 %, konnte aber bis 1997 auf 5 % gesenkt werden.
 
 
Der Agrarsektor, der 1995 rd. 50 % zur Entstehung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beitrug, beschäftigt 83 % der Erwerbstätigen. Ein Großteil der landwirtschaftlichen Betriebe (durchschnittliche Flächen von 2,5 ha pro Haushalt) produziert v. a. für den Eigenverbrauch. Aufgrund günstiger natürlicher Voraussetzungen (rd. die Hälfte der Landesfläche dient als landwirtschaftliche Nutzfläche) besitzt Uganda gute Voraussetzungen für die Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln. Kaffee ist das mit Abstand wichtigste Anbauprodukt für den Export; Hauptanbaugebiete sind die Südregion und die Hochwaldgürtel am Elgon- und Ruwenzorigebirge; mit einer Erntemenge von (1996) 238 000 t lag Uganda weltweit an fünfter Stelle. Weitere Agrarexportprodukte sind Baumwolle, Tee, Tabak und Zuckerrohr. Für die Eigenversorgung werden Kochbananen, Maniok, Bataten, Hirse, Mais und Erdnüsse angebaut. Die Viehwirtschaft konzentriert sich auf Nord- und Ostuganda (Bestand 1995: 5,2 Mio. Rinder, 5,5 Mio. Ziegen, 900 000 Schafe).
 
 
Schwerwiegend sind die Folgen der Dezimierung der Waldbestände, besonders durch die Brennholz- und Holzkohlegewinnung, aber auch durch Brandrodung und Überweidung. Die Waldfläche beträgt (1992) 5,5 Mio. ha (1977: 6,2 Mio. ha), der Holzeinschlag (1994) 16,7 Mio. m3 (davon 13 % Nutzholz).
 
 
Der Fischerei (v. a. im Victoria- und Kiogasee) kommt große Bedeutung für die Eiweißversorgung der Bevölkerung zu (Fangmenge 1994: 213 000 t).
 
 
In Uganda werden die zweitgrößten Goldlager der Erde vermutet. Die Förderung begann erst Mitte der 90er-Jahre. Mit Ausnahme geringer Mengen an Kupfer- und Chromerz sowie Kalkstein werden kaum mineralische Rohstoffe abgebaut; weitere Vorkommen sind weitgehend unerforscht.
 
 
Der Industriesektor (BIP-Anteil 1995: 14 %) umfasst v. a. Betriebe, die heimischen Agrarerzeugnisse wie Kaffee, Baumwolle oder Zuckerrohr weiterverarbeiten. Von Bedeutung ist auch die Herstellung von Düngemitteln, Metallprodukten und Zement. Außerdem bestehen Betriebe der Textil- und Bekleidungsindustrie, der Holz- und Papierverarbeitung. Wichtige Industriestandorte sind die Hauptstadt Kampala, das Industriezentrum Jinja (Kupferschmelze und Stahlwerk) und Tororo.
 
 
Seit 1989 verzeichnet Uganda v. a. aufgrund sinkender Weltmarktpreise für Kaffee ein hohes Außenhandelsdefizit (Einfuhrwert 1995: 1,06 Mrd. US-$; Ausfuhrwert: 0,46 Mrd. US-$). Kaffee hatte 1996 einen Anteil von 63 % am gesamten Exportaufkommen. Weitere Ausfuhrwaren sind Gold (7 %), Baumwolle und Tee. Bedeutendste Handelspartner sind Großbritannien, Kenia und Japan.
 
Verkehr:
 
Aufgrund seiner Binnenlage ist Ugandas Verkehrspolitik auf die Transitwege zum Indischen Ozean ausgerichtet. Die wichtigste Linie des (1992) 1 241 km langen Eisenbahnnetzes führt von Kasese an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo über Kampala, Jinja und Tororo quer durch Kenia zum Seehafen Mombasa (Ugandabahn). Von Jinja aus bestehen auf dem Victoriasee Eisenbahnfährverbindungen nach Kisumu in Kenia und Mwanza in Tansania. Nur 21 % des 28 332 km langen Straßennetzes sind befestigt. Große Bedeutung kommt der Binnenschifffahrt auf dem Victoria-, Kioga- und Albertsee sowie dem Nil zu. Ein internationaler Flughafen befindet sich in Entebbe, 40 km von Kampala entfernt.
 
 
Im Gebiet der großen ostafrikanischen Seen sind seit etwa 1500 Staatengründungen der Hima bekannt, in denen sich Rinderzüchter und Ackerbauern verbanden. Nach 1660 entwickelte sich Buganda zur Vormacht in diesem Raum; Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten europäische Reisende den Hof seines Kabaka (Königs) Mutesa I., der sowohl christlichen Missionskirchen als auch dem Islam Zugang gewährte. Die Rivalität der Kolonialmächte Frankreich, Großbritannien und Deutschland wurde 1890 zugunsten Großbritanniens entschieden. Von Buganda aus erfasste die britische Herrschaft in den 1890er-Jahren die anderen Zwischensee-Staaten (Bunyoro, Ankole, Toro). Die politischen Systeme blieben im Rahmen der britischen Indirect Rule erhalten. Die Kolonialregierung dehnte das Gebiet nach Norden unter dem Namen Uganda bis an die Südgrenze des angloägyptischen Sudan aus. Ab 1922 war es Teil von Britisch-Ostafrika. 1920 stellte die britische Regierung dem Gouverneur einen gesetzgebenden Rat zur Seite, dem seit 1946 auch Afrikaner angehörten.
 
Geführt von Kabaka Mutesa II., suchte die gesellschaftliche Führungsschicht Bugandas dessen Sonderstellung innerhalb Ugandas zu erhalten und zeigte wenig Interesse an einer für ganz Uganda zuständigen Legislative. Als Mutesa II. die völlige Unabhängigkeit Bugandas forderte, schickte ihn die britische Kolonialverwaltung, die Uganda als Ganzes zu erhalten suchte, 1953 ins Exil (bis 1955). Gegen die wachsende Sezessionsbewegung in Buganda wandten sich dort selbst die katholisch bestimmte Democratic Party unter Benedict Kiwanuka (* 1922) sowie der von M. Obote geführte, protestantisch orientierte, im nördlichen Uganda verwurzelte UPC. Im Gegenzug bildete sich - im Sinne des Kabaka - die Kabaka Yekka (KY, deutsch »Der König allein«).
 
Nach einem verfassungspolitischen Kompromiss zwischen den bugandischen Eigenständigkeitsbestrebungen und den auf ganz Uganda bezogenen bundesstaatlichen Vorstellungen v. a. der britischen Kolonialmacht entließ Großbritannien am 9. 10. 1962 Uganda in die Unabhängigkeit. Mutesa II. wurde Staatspräsident (ohne Exekutivfunktionen). Die bereits im April 1962 gebildete Koalitionsregierung (UPC und KY) unter Obote zerbrach 1966 am sich erneut steigernden Antagonismus zwischen der ugandischen Zentralregierung und Buganda; im Mai 1966 zwang Obote Mutesa II. zum Verlassen des Landes. Mit der Verfassung von 1967, die die historisch gewachsenen Gliedstaaten auflöste, erhielt Uganda eine unitarische Präsidialverfassung; Obote wurde Staatspräsident.
 
Nach dem Vorbild Tansanias wandte sich Obote einem undoktrinären Sozialismus zu; er verstaatlichte Banken und zahlreiche Industriebetriebe. Der zunehmend autoritäre Kurs Obotes (Legalisierung des Einparteienstaates, Verbot aller Parteien außer dem UPC) sowie der nicht mehr entschärfbare Dauerkonflikt v. a. zwischen den politischen Kräften in Buganda und der Zentralregierung lösten eine weit reichende Unzufriedenheit aus.
 
Nach einem Staatsstreich der Armee (25. 1. 1971) und der Flucht Obotes nach Tansania errichtete der muslimische General I. Amin Dada als Staatspräsident (ernannte sich selbst 1976 zum Präsidenten auf Lebenszeit) ein diktatorisches Regierungssystem (Suspendierung der Verfassung) und stellte die Armee über das bisher geltende Recht. Die Vertreibung von etwa 50 000 Asiaten (besonders Inder, 1972), die Kleinindustrie und Handel bestimmt hatten, trug stark zum wirtschaftlichen Niedergang Ugandas bei. Außenpolitisch wandte sich Uganda, das von der Sowjetunion unterstützt wurde, den arabischen Ländern, besonders Libyen, zu. Der sich ständig steigernden Willkürherrschaft Amin Dadas fielen Hunderttausende von Menschen zum Opfer; seine Terrorherrschaft nach innen isolierte Uganda auch nach außen. Zahlreiche Attentate und Putschversuche gegen ihn schlugen fehl.
 
Grenzverletzungen ugandischer Truppen gegen Tansania lösten 1978 einen von ugandischen Freischärlern unterstützten Vorstoß tansanischer Truppen nach Uganda aus, der im April 1979 zum Sturz Amin Dadas führte. Mit dem Abkommen von Moshi (März 1979) hatten sich verschiedene Exilgruppen in der Uganda National Liberation Front (UNLF) zusammengeschlossen. Diese »Anti-Amin-Front« zerbrach jedoch bald nach dem Sturz Amin Dadas an ihren inneren Gegensätzen; die von ihr gestellten Staatspräsidenten Yusufu Lule (1979) und Godfrey Binaisa (1979/80) scheiterten. Nach Wiederbelebung der früheren Parteien ging der UPC, geführt von dem aus dem Exil zurückgekehrtenObote, aus den (in Organisation und Verlauf umstrittenen) Wahlen vom Dezember 1980 als Sieger hervor; Obote selbst wurde Staatspräsident. Unzufriedenheit mit der Regierung. Obote führte jedoch fortgesetzt zu Unruhen; verschiedene politische Gruppierungen gingen in den Untergrund und verschafften dem National Resistance Movement (NRM) Zulauf. Nach anhaltenden Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Amin-treuen Soldaten sowie der NRM unter Y. Musevini flohen Zehntausende in die Nachbarländer Sudan, Ruanda und das damalige Zaire.
 
Im Juli 1985 wurde Präsident Obote durch einen Militärputsch unter T. Okello gestürzt. Die NRM verstärkte ihre Militäraktionen und konnte im Januar 1986 Kampala einnehmen; die Militärregierung setzte sich nach Tansania ab. Neuer Staatspräsident wurde Musevini, der 1987 marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaftsreformen anordnete und einen Demokratisierungsprozess einleitete. Dieser führte u. a. 1993 zur (symbolischen) Wiedereinführung der Monarchie in Buganda und 1994 zur Wahl einer verfassunggebenden Versammlung; gleichzeitig wurde jedoch die Aktivität von Parteien stark eingeschränkt (so genannte »parteienlose Demokratie«). Auch kam es unter seiner Regierung zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Bei den von internationalen Beobachtern als fair und frei bezeichneten Parlamentswahlen im Juni 1996, zu denen laut Verfassung keine Parteien, sondern nur Einzelkandidaten zugelassen waren, wurden fast ausschließlich Anhänger des im Mai im Amt bestätigten Präsidenten gewählt. Außenpolitisch unterstützte Uganda u. a. die Tutsi-Herrschaft in Ruanda sowie 1996/97 den Vormarsch der Truppen Kabilas im damaligen Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), seit 1998 jedoch die Rebellenbewegung gegen Kabila. Trotz Normalisierung der innenpolitischen Gesamtlage kam es seit Mitte der 1990er-Jahre verstärkt zu teilweise blutigen Konflikten mit Rebellenbewegungen, v. a. mit der von Sudan unterstützten Lord's Resistance Army (LRA), die im Norden Ugandas einen islamischen Gottesstaat errichten will. Nach einem Referendum im Juni 2000, bei dem die Bevölkerung gegen die Einführung eines Mehrparteiensystems votiert hatte, kündigte jedoch Museveni (bei den Präsidentschaftswahlen 2001 im Amt bestätigt) die mögliche Rückkehr zu einem Mehrparteiensystem an.
 
 
S. R. Karugire: A political history of U. (London 1980);
 D. W. Nabudere: Imperialism and revolution in U. (ebd. 1980);
 J.J. Jørgensen: U., a modern history (New York 1981);
 T. V. Sathyamurthy: The political development of U. 1900-1986 (Aldershot 1986);
 A. Omara-Otunnu: Politics and military in U., 1890-1985 (Houndsmills 1987);
 H. Hecklau: Ostafrika. Kenya, Tanzania, U. (1989);
 H. Hecklau: Ostafrika - Bibliogr. Kenia -Tansania - U. 1945-1993 (1996);
 
Changing U. The dilemmas of structural adjustment and revolutionary change, hg. v. H. B. Hansen u. M. Twaddle (London 1991);
 R. Hofmeier: U. Niedergang u. Wiederaufbau der einstigen »Perle Afrikas«, in: Vergessene Kriege in Afrika, hg. v. R. Hofmeier: u. a. (1992);
 P. Mutibwa: U. since independence (London 1992);
 L. Pirouet: Historical dictionary of U. (Metuchen, N. J., 1995).
 

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Ugạn|da; -s: Staat in Afrika.

Universal-Lexikon. 2012.

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